Mal im Ernst... Was geht im Kopf eines Bücherwurms wirklich vor sich? In erster Linie sollte man denken, es herrsche zwischen all diesen neuronalen Verknüpfungen ein Büchersturm. Richtig! Zumindest teilweise. Ihr glaubt doch wohl nicht ernsthaft, dass wir normal sind? Hallo!? Wir lesen Bücher! Das ist doch wohl schon Grund genug, anders zu sein. Denn in Wirklichkeit - haltet euch fest - sind unsere Gehirne ganz anders. Mit dem allerersten Buch, das wir in der Hand halten, mit dem ersten Wort, das wir in unserem Leben lesen, erschaffen wir unsere eigene kleine Welt. Der erste Raum in unserem Kopf entsteht. Der Raum für Geschichten! Und je mehr wir lesen, je mehr Seiten wir in uns aufsaugen, desto größer wird unsere Welt. Und sie hat sogar einen Namen... Fantasie!
Anfangs mag es nur ein kleiner Raum sein, dann bauen wir einen zweiten an, erweitern das Haus um Küche und Wohnzimmer, bauen uns einen Garten mit einer wunderschönen Blumenwiese und aus alldem wird ein Palast! Unser Königreich mit einer ganzen Stadt, einem Hafen, einem Wald. Doch damit ist es nicht getan. Es kommen Wesen hinzu, Menschen und Magier, Drachen, Feen, Elfen, Kobolde, Trolle, Zwerge... Und das alles aus unseren Büchern. Wir erschaffen unsere eigene Welt, indem wir anderen zuhören, aus den Worten lernen und selbst hinzufügen. Und in dieser zuerst kleinen Welt erfinden wir eigene Geschichten, um sie dann weiter zu erzählen oder einfach nur für uns selbst zu träumen. Diese Geschichten geben uns Hoffnung, Mut und vor allem Kreativität! Sie zeigen uns Wege, wie Helden sie gehen würden und können uns entscheiden, ob wir sie auch gehen.
Manchmal denken wir uns zurück, in die Vergangenheit. Dann befinden wir uns plötzlich in der Zukunft und ein anderes Mal sind wir - schwups - wieder genau dort, wo wir angefangen haben. In der Gegenwart. Aber unser Kopf füllt sich doch nicht nur mit Büchern oder? Hm... Zum größten Teil vielleicht schon. Denn wir müssen ja planen, was wir als nächstes lesen, wohin wir reisen wollen. Wie wir unsere kleine Bibliothek gestalten und füllen - denn die Bücher wollen ja alle irgendein kuscheliges, schönes Zuhause haben! Und jedes einzelne davon bekommt seinen Platz, an dem es leuchten kann. Sie sehen zwar unterschiedlich aus, mit verschiedenen Farben, in verschiedenen Größen, und sie riechen auch anders! (Ist euch das schon Mal aufgefallen?) Und wer ganz mutig ist, handelt es noch in verschiedenen Sprachen. Hardcover, Softcover, Ebook oder doch lieber nicht? Und um es ganz kompliziert zu gestalten, gibt es da auch noch Umwelteinflüsse, die den Lieblingen schaden können! Staub, Licht, Feuchtigkeit... Die Realität ist grausam!
Wenn wir in der Stadt an einem Buchladen vorbei kommen, dann fällt der Blick natürlich sofort ins Schaufenster und hält nach den Neuankömmlingen oder alten Schätzen Ausschau. Und nicht selten kommt es vor, dass wir den wundersamen Ort der Bücher betreten und erst Stunden danach wieder daraus hervor kommen. Die Beute behutsam im Arm kehren wir dann nach Hause zurück und präsentieren stolz unsere Errungenschaften! Auch wenn wir sie womöglich nie lesen werden... Ein Gutes hat so eine SuB-Leiche ja: Die Träume für diese Geschichte bleiben. Jaa, so ein Leben als Bücherwurm ist ganz schön anstrengend. Es ist fast so, als hätten wir ein Doppelleben und zudem noch eine multiple Persönlichkeit. Echt gruselig! Aber hey, sonst würde es nicht solchen Spaß machen oder?
Was im Kopf eines Bücherwurms so vor sich geht, kann also niemand so ganz beantworten, da es zwar immer wieder gleich, aber doch völlig anders aussieht! Bücherwürmer besitzen eine Menge magischer Eigenschaften, ohne die sie wahrscheinlich einen Zauberer (Therapeuten) bräuchten... Ich meine, wer hat nicht einmal daran gedacht, in ein Buch zu springen oder hatte sogar schonmal eines mit im Bett? Und jetzt will ich keine Ausflüchte hören! Bücherwürmer bekennen sich zu ihrer... eeh... Fähigkeit die Dinge anders zu sehen, langweilige Menschen jedoch davon fern zu halten, weil sie sonst für verrückt erklärt werden und Dinge zu sehen, die da sind, aber von niemandem wahrgenommen werden (oder kurzum: wahnsinniger, ritterlich-verhexter Krankheit!)
Jeder sollte diese Fähigkeit zu denken schätzen und wenn möglich anderen etwas davon abgeben. Denn was wäre die Welt ohne Bücher und magische Geschichten? Ein trauriger Ort, ich weiß. Allein der Gedanke daran, erfüllt uns doch mit Schrecken! Deshalb klammern wir uns jede Sekunde an den Funken der Fantasie auf diesen Seiten, damit das Unmögliche möglich wird und wir die Welt retten können. Damit nichts verloren geht, wir Altes wiederfinden und Neues entdecken. Damit wir etwas davon in die wirkliche Welt mitnehmen können und daraus lernen. Und selbst wenn wir schon so viel Wissen in uns haben, finden wir immer wieder etwas, das wir noch nicht kennen. Es sind die Wunder im Leben, die wir vergleichen und in unsere Versionen der Heldengeschichten einfügen. Und wir sollten nicht vergessen, dass jede Geschichte ein gutes Ende hat... Fast.





























