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Freitag, Juli 17

✒ [Rezi] Ich und die Menschen | Matt Haig

 Christoph Maria Herbst, Hörbuch, Hörverlag, Matt Haig, Rezensionen     Möchtest du etwas dazu sagen?   


Matt Haig, Christoph Maria Herbst | Hörbuch 7,49€ | 8 1/2 Stunden | Hörverlag | In mein Regal!




In einer regnerischen Nacht wird Andrew Martin, Professor für Mathematik in Cambridge, aufgegriffen, als er nackt eine Autobahn entlangwandert. Professor Martin ist nicht mehr er selbst. Ein Wesen mit überlegener Intelligenz und von einem weit entfernten Stern hat von ihm Besitz ergriffen. Und es ist nicht begeistert von seiner neuen Existenz. Es hat eine denkbar negative Meinung von den Menschen, jeder weiß schließlich, dass sie zu Egoismus, übermäßigem Ehrgeiz und Gewalttätigkeit neigen. Doch andererseits: Kann eine Lebensform, die Dinge wie Weißwein und Erdnussbutter erfunden hat, wirklich grundschlecht und böse sein? Und was sind das für seltsame Gefühle, die es überkommen, wenn es Debussy hört oder seiner vermeintlichen Frau Isobel in die Augen blickt?


Ein Mensch, der keiner ist, lehrt uns das Leben.
 


Wow! Das ist das einzige, was ich zuerst sagen kann. Denn in die 8 Hörstunden wurden eine ganze Menge Informationen gepackt. Und das auch noch ungekürzt. Ich kann sofort sagen, dass ich mir das Buch auf jeden Fall noch holen würde, denn die vielen Zitate und Anspielungen auf berühmte Persönlichkeiten wie Emily Dickinson, Albert Einstein, Shakespeares Hamlet oder Debussy sind es hundertprozentig wert sie zu markieren. Das Cover zeigt einen einzelnen Menschen mit Regenschirm - ein Symbol für die Abneigung gegen Regen - und einem Hund daneben, den wir in der Geschichte auch noch näher kennen lernen. Die Ansicht von außen, also auf die Erde aus dem Weltall heraus beschreibt perfekt die Lage des Buches. Denn das Geschriebene (hier das Gesagte) richtet sich an die außerirdischen sowie irdischen Leser des Textes.
Ein nackter Professor, der unter Amnesie leidet und zunächst in der Psychiatrie landet klingt nicht gerade Vertrauen erweckend. Aber dahinter steckt so viel mehr, als auf den ersten Blick erkennbar ist. Die fast kindliche Sicht auf die Menschen bringt einen gewissen Humor mit in die ernste Angelegenheit. Gewalt und Sexualität werden als vorherrschende Eigenschaften der menschlichen Rasse bestimmt. Ebenso eine große Rolle scheinen Krieg und Geld zu spielen. Und all dem geht der Namenlose Professor auf den Grund. Seine eigentliche Aufgabe vernachlässigt er dabei und bringt sich und die Personen in seiner Umgebung somit in Gefahr. Deshalb versucht er weiterhin die Rolle von Andrew Martin zu spielen, wobei die Erinnerungslücken ein großes Hindernis darstellen und ihn in einige verzwickte Situationen bringen.

"Es ist immer etwas Wahnsinn in der Liebe. Es ist aber auch immer etwas Vernunft im Wahnsinn."

Die Story ist wahnsinnig komplex aufgebaut und jedes Kapitel bietet eine nächste beeindruckende Sicht auf die Dinge in der Welt. Mathematik ist ein wichtiger Bestandteil all der Erklärungen von Schönheit, Leben und Glück. Selbst, als die Fähigkeiten des Wesens allmählich nachlassen und er auf sich allein gestellt ist.
Wir lernen viel über die Sprache der Hunde; dass Vernichtung das Überleben sichern soll; Unsterblichkeit nicht alles ist; über das Verlieren und Gewinnen; und vor allem, was es heißt, ein Mensch zu sein. Der falsche Andrew Martin zeigt uns, wie er dem eigenen Wesen abdankt, um sich von der Wirklichkeit seiner Existenz, der eigentlichen Herkunft zu entfernen und zu empfinden. Seiner Nicht-Frau Isobel und seinem Selbstmord gefährdeten Sohn Gulliver nahe zu sein. Obwohl sie nicht zu seiner Familie gehören, nimmt er doch Opfer auf sich, damit sie sich kümmern.
Und so beginnt eine Reise ins menschlich werden. Zwar haben wohl noch einige etwas dagegen und diese Alienfähigkeitensache kann manchmal ein wenig unheimlich wirken, was allerdings vom Wert des Erkennens durchaus wieder aufgewogen wird. Die 97 Ratschläge über das Leben könnte sich so manch einer selbst zu Herzen nehmen. Und nicht vergessen: Erdnussbutter schmeckt selbst einem Außerirdischen!

Mit seiner Stimme bringt Christoph Maria Herbst dem Zuhörer ein wundersames Ereignis nahe und man könnte meinen, er selbst sei dieses Alien im Körper des Professors. Völlig authentisch schlüpft er in eine aufreibende Rolle, entlockt Lachen und Weinen, Seufzer und Wutgeschrei. Da kommt schon irgendwie die Frage auf, wer hier nun weise und nahe allwissend ist. Der Sprecher, der Protagonist oder der Autor, dessen geniale Schreibweise in das fremde Universum einsaugt? Eine Geschichte zum Mitfühlen ist es jedenfalls und hält viele wunderschöne (Hör)stunden bereit.

Vielen lieben Dank an den Verlag!

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✒ [Rezi] Ich und die Menschen | Matt Haig

Dienstag, Mai 5

✒ [Rezi] Die Abenteuer des Tom Bombadil | J.R.R. Tolkien

 5 Schriftrollen, Hörbuch, Hörverlag, J.R.R. Tolkien, Rezensionen     Möchtest du etwas dazu sagen?   


J.R.R. Tolkien | Hörbuch 12,95€ | 76 Minuten | Hörverlag | In mein Regal!



Die Dichtkunst der Hobbits: Bilbo und seine Freunde können nicht nur Abenteuer bestehen, sondern haben sich auch der Dichtkunst verschrieben. J.R.R. Tolkien hat den Hobbits eine Stimme gegeben und die Gedichte aus dem Roten Buch in ihrem Namen verfasst.


Zauberhafte Hörstunden mit Tolkiens Gedichten aus dem Roten Buch



Gesprochen von Gert Heidenreich wird die Dichtkunst der Hobbits ein wahres Wunderwerk. Sechzehn gedichtete Geschichten erhalten Ehrung von einem ganz besonderen Leser, denn die Stimme des Synchronisten schafft es über eine Stunde hindurch zu fesseln und ein neues Zuhause für den Zuhörer zu gestalten. Schon vom ersten Satz an habe ich mich wohl gefühlt und kam von den Erzählungen aus dem Roten Buch nicht mehr los.
Mit den unterschiedlichsten Darstellungen der Charaktere über etliche Stimmlagen von brummig zu heller Aufregung macht es einfach Spaß der spielerischen Vorleseart zuzuhören. Jegliche Emotionen, ob empört, lustig oder ängstlich sind so glaubwürdig wiedergegeben, dass es schwerfällt nicht mit den Protagonisten mitzufühlen. Auch die Wechsel von geheimnisvoll zu düster, tiefer und schnellere Wortsprachen sind ein Kinderspiel für den Sprecher und er findet zu jeder passenden Situation die passende Stimme.
Wir hören wie Tom Bombadil es schafft, nur mit seinen Worten grieselige Weidenmänner und Dachse in die Flucht zu schlagen und somit etlichen Entführungen und Drohungen entkommt. Namen wie Goldbeere sind weitere Details, die wahrlich zauberhaft wirken und zum Träumen anregen.
Es ist sicher nicht einfach, bei solchen Reimen den richtigen Sprechrythmus zu finden, aber auch das meistert Gert Heidenreich mit bravour. Manchmal werden sogar halb singende Parts eingebracht und bringen förmlich zum Strahlen.
Beschreibungen der Mittelerde Landschaften und bunte Handlungen geben viel Stoff für eigene Bilder im Kopf. Die fantastische Atmosphäre bleibt stets vorhanden und bildet sich manchmal zu einer großen Blase mit kribbelndem Gänsehautfeeling. Auch die Hobbits und Elben erhalten in den Erzählungen natürlich ihren Platz, aber vor allem Tom Bombadil, der so einige Abenteuer in seiner wunderbaren Welt durchlebt.

Genauso stelle ich mir die typische Großvaterstimme vor, die spannende Geschichten vorliest. Die wunderschönen Erzählungen sind bestimmt auch in Schriftform ein Meisterwerk und können mich schon in gesprochener Darstellung voll und ganz überzeugen. Für Kinder werden die Abenteuer des Tom Bombadil sicherlich ebenso ein Erlebnis wie für Erwachsene, die der Tolkienwelt unterlegen sind und diese mitfiebernd verfolgen. Herausforderung angenommen? Dann lasst euch entführen in das sagenumwobene Leben eines Reisenden, der die Gefahr nicht scheut.

Vielen lieben Dank an den Verlag!

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✒ [Rezi] Die Abenteuer des Tom Bombadil | J.R.R. Tolkien

Freitag, März 6

✒ [Rezi] Eines Tages, Baby | Julia Engelmann

 5 Schriftrollen, Hörbuch, Hörverlag, Julia Engelmann, Rezensionen     3 Kommentare   


Julia Engelmann | Hörbuch 9,99€ | 62 Minuten | Der Hörverlag | In mein Regal!

Gänsehaut vorprogrammiert!

»Eines Tages, Baby, werden wir alt sein, oh Baby, werden wir alt sein und an all die Geschichten denken, die wir hätten erzählen können.« Julia Engelmanns Slam »One Day« hat über Nacht eine Welle der Begeisterung ausgelöst und Millionen Fans im Netz gefunden. Ihre Message, Träume endlich in die Tat umzusetzen, trifft den Nerv der Zeit. Denn in jedem von uns steckt so viel mehr! Mal zart, mal kraftvoll und immer berührend, ruft Julia Engelmann dazu auf, mutig zu sein, das Glück zu suchen und das Leben zu leben, bevor es zu spät ist: »Los!, schreiben wir Geschichten, die wir später gern erzählen!«



Die zwei Farben des Hörbuchcovers sind sanft und treffen mittig aufeinander, wie das Händchen haltende Pärchen und es hat schon etwas anziehendes. Auch die CD selbst ist zuckersüß gestaltet. Die Schrift des Titels passt ebenfalls super und ich würde sagen, dass in all dem schon fast ein Teil des Wesens der Autorin liegt. "Eines Tages, Baby" unterstreicht den Inhalt im Voraus, denn mit diesem Poetry Slam Text wurde Julia Engelmann erst richtig bekannt.

Anfangs hört sich alles noch etwas ruhiger, nicht so mitreißend wie man es vielleicht von Youtube kennt. Doch das hat durchaus seinen Reiz und kann einen Einstieg sogar erleichtern. Später bekommt die Stimme dann mehr Schwung und die Sprecherin varriiert viel stärker, was beim zweiten Hören noch besser durchscheint. Um die volle Breite der Texte zu verstehen, empfehle ich, nicht allzu viel anderes zu machen, denn das könnte ablenken, sondern einfach alles auf sich wirken zu lassen.
Hin und wieder rollen richtige Wortfluten heran. Es gibt nur wenige, kurze Pausen, was mir jedoch kaum anstrengend wurde, da die Sprache sehr einfach gehalten ist.
Julia Engelmann beschäftigte sich mit verschiedenen Themen, die wohl einige betreffen dürften. Erwachsenwerden, Persönlichkeiten oder andere Dinge, die im Leben eine wichtige Rolle spielen.
Der "Goldfisch" zum Beispiel bringt auch eine spaßige Seite mit ein, hat aber immer noch seine philosophischen Elemente. Hier konnte ich sogar Julias Grinsen beim Sprechen förmlich heraus hören. Wir erfahren viel Wahres und ich liebe es, die Welt mithilfe ihrer Worte aus einem anderen Blickwinkel zu sehen!
Ebenfalls aufgefallen ist mir, dass sie wirklich verständlich spricht, was ich ihr hoch anrechne, da nach meinen Erfahrungen Redner der eigenen Texte nicht immer ganz dabei sind oder eben nicht die Fähigkeiten dafür mitbringen. Schreiben und Slammen sind zwei unterschiedliche Welten, können jedoch irgendwo aufeinander treffen, was in diesem Falle großartig gelungen ist.

Als Poetry Slamer/in sollte man nicht nur gute Texte schreiben, sondern sie auch präsentieren können. Und das hat sie super rüber gebracht! Mit "Eines Tages, Baby" hat Julia Engelmann einen großen, bunten Stein in die Poetry Slam Welt gesetzt, führt Hoffnungen und Träume vor und macht die Gedanken zu flauschig, friedlichen Wölkchen. Wahrheiten werden ausgesprochen und nicht zurückgehalten und das ist auch gut so! Mit dem Mut solche Worte auszusprechen und diese auch wahrzunehmen, könnte noch einiges in der Welt verändert werden...
Tipp: Nicht alles auf einmal anhören, auch wenn die Gesamtlänge nur auf 1 Stunde fällt. Die Texte sollten genossen werden, mit einer Pause danach, um Platz für Gedanken zu machen, denn am Nachdenken wird wohl kaum jemand vorbeikommen.
Vielen lieben Dank an den Verlag!

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✒ [Rezi] Eines Tages, Baby | Julia Engelmann

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